

Kür der „Dicken Keschde“ (Edel-Kastanie)
in Dannenfels/Rheinland-Pfalz zum „Champion Tree“/Rekordbaum – am 25. April 2012, „Tag des Baumes“
Nachdem erstmalig 2010 ein Rekordbaum/Champion Tree (Ginkgo in Dröschkau/Sachsen) und 2011 ein weiterer (Urweltmammutbaum in Bad Nenndorf/Niedersachsen) als „stärkste“ Exemplare (Stammumfang betreffend) ihrer Art in Deutschland öffentlich bekannt gemacht und als Rekordbäume des Jahres ausgezeichnet wurden, haben die DDG, GDA und IG Edelkastanie für 2012 als dritten Champion des Jahres eine Edel-Kastanie (Castanea sativa) ausgewählt.
Am 25.4., den „Tag des Baumes“, wird der mit geschätzten ca. 400 Jahren ältesten und stärksten (ca. 9 m StU) einstämmigen, obstbaulich kultivierten Edel-Kastanie, der „Dicken Keschde“ (Abb. 1 und 2), am Donnersberg im pfälzischen Dannenfels die Auszeichnung „Champion Tree“ verliehen.
Was sind champion trees?
In vielen Ländern der Erde gibt es bereits Listen und Kartierungen zu Champion Trees – Bäumen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Größe (Höhe, Umfang bzw. Durchmesser), Wuchsform und Seltenheit bemerkenswert sind. Bei dieser Sichtweise muss jedoch beachtet wer-den, dass Gehölze nicht nur auf diese Superlative reduziert werden dürfen; ebenso wichtig ist die (Kultur-) Geschichte eines Baumes; und ein Champion Tree muss nicht zwangsläufig auch ein gestalterisch „schöner“ Baum sein.
Wie ein Baum auf den Betrachter wirkt, hängt in erster Linie von der Umgebung und Stimmung ab. Es sind die Relationen zu Bauwerken und baulichen Elementen, z. B. zu Burgen, Schlösser, Orangerien, aber auch zu Kleinarchitekturen wie Mauern etc. aber auch zu ande-ren Bäumen. Für sich allein ist ein Baum weder hoch noch niedrig, weder schlank noch breit. Erst seine Nachbarschaft gibt ihm Gestalt und Ausstrahlung. Dort, wo sich Landschaft, Bau-stile, Gebäude und Gehölze noch gegenseitig in ihrer positiven Wirkung steigern, entstehen die schönsten und reizvollsten Bilder. Z. B. die Ginkgo-Baumgruppe vor der Orangerie in Kassel-Wilhelmshöhe, die Zedern vor dem Schloss in Bad Homburg vor der Höhe, der Gink-go vor der Schlosskirche auf der Insel Mainau, die Kastanienhaine von Soglio im Bergell oder aber die Magnolien in der Stuttgarter Wilhelma. So wie es Musikstücke gibt, die man „vollkommen“ nur mit dem für sie charakteristischen Instrument in Verbindung bringt, sind auch Bäume für bestimmte Landschaften charakteristisch bzw. landschaftsprägend. Dort, wo sich Gartenkunst und Dendrologie sinnvoll ergänzen, wo die künstlerischen Absichten des Gartengestalters mit profunder Gehölzkenntnis gepaart sind, was heute leider nur selten der Fall ist, können die schönsten Gärten und Gehölzgruppen entstehen.