

Aktuelle Gefährdungssituation der Edelkastanie in Deutschland und der Schweiz
Quelle: „AFZ Der Wald“ 7/2011
Aus Baden-Württemberg wurde für das Jahr 2010 ein Esskastanien-Rindenkrebsbefall auf einer Fläche von ca. 51 ha gemeldet. Davon im Ortenaukreis 42 ha, in Raststatt 8 ha und Heidelberg 1 ha. Im Jahr 2009 wurde für Baden-Württemberg ein Befall von 88 ha festgestellt. Es wurde beobachtet, dass in manchen Edelkastanienbeständen die Aggressivität des Schadpilzes Cryphonectria parasitica zurückging.
In Rheinland-Pfalz meldet das Forstamt Haardt einen Befall durch Kastanienrindenkrebs auf ca. 25 ha im Jahr 2010 (2009: 30 ha). Im Rahmen eines von der EU geförderten InterReG-Projektes, an dem sich auch die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beteiligen, soll u. a. untersucht werden, ob es möglich ist, die Aggressivität des Pilzes Cryphonectria parasitica durch einen sogenannten „Hypervirulenzfaktor“ zu vermindern.
Aus der Schweiz wird berichtet, dass sich im Jahr 2010 die Edelkastaniengallwespe im Tessin weiterhin in Richtung Norden ausgebreitet hat. Ebenfalls wurde ein Neubefall an frisch gepflanzten Kastanien in der Zentralschweiz registriert. Vermutlich wurde die Gallwespe mit den Pflanzen, die aus Frankreich stammten eingeschleppt.
Im Südtessin hat sich der Befall durch die Gallwespe deutlich intensiviert. An einzelnen Bäumen waren bis zu 40 % der Knospen besiedelt, was nach dem Blattaustrieb zu einer ausgeprägten Gallenbildung führt. Im Herbst wurde festgestellt, dass junge Triebe zusätzlich durch den Kastanienrindenkrebs besiedelt waren. Höchstwahrscheinlich dienten verlassene Gallen als Eintrittspforten für die Pilzsporen, so dass auch unüblich dünne Zweige durch den Krebs besiedelt werden konnten. Einzelne Kronenteile starben in Folge ab.